Handarbeiten (Sticken) entwerfen

Wenn man eine Handarbeit anfertigen will, so tauchen einige grundsätzliche Fragen auf:

Wie groß mache ich meinen Gegenstand?
Welche Stoff- und Garnfarbe wähle ich dafür?
An welchen Stellen bringe ich die Stickerei an?
Wie verwahre ich die Kanten schön und haltbar?

Angenommen, man möchte ein Set arbeiten. Dann nimmt man am besten ein Stück Packpapier; damit probiert man die fertige Set-Größe aus, indem man ein Gedeck, also Teller, Besteck und Glas, darauf stellt. Auf diese Weise macht man das Set bestimmt nicht zu klein.

Die Farbe richtet sich nach dem Zweck: Für Balkon und Garten eignen sich kräftige Farben. Für ein Esszimmer passen zartere Farbtöne. Reizvoll sieht es auch aus, wenn es zum Set gleich eine passende Serviette gibt. Sie kann gleichfarbig oder in kontrastierender Farbe gehalten werden.

Auf dem Papiermuster bezeichnet man die Stellen, die man zu besticken beabsichtigt. Man rückt damit nicht allzuweit in die Mitte, sonst wird beim Benützen alles zugedeckt, und das wäre schade.

Man muss auch keineswegs auf allen vier Seiten sticken; Schön sieht es auch aus, wenn zum Beispiel nur zwei von vier Seiten bestickt werden, also so:



Auch kariert wirkt gut - die Verzierungslinien dürfen allerdings nicht auftragen, damit das Geschirr eine gute Standfläche hat. Geeignet ist zum Beispiel die Durchzugtechnik.

Nun sollte man sich noch darüber klar werden, ob man einen Saum oder nur eine Fransenkante machen will. Die Fransen sind allerdings nicht so dauerhaft. Der Saum sollte nicht schmäler sein als 2 cm. Die Ecken werden auf der Rückseite schräg abgenäht, wie bei der Saumbestigung zu sehen ist. Die Fransenkante wird mit Hohlsaumstichen befestigt. Dies sieht leicht und fein aus, trägt nicht auf und verbraucht keinen Einschlagstoff.

Hat man sich die Ausführung sorgfältig überlegt und den Stoff samt passendem Garn eingekauft, so kann man mit der Arbeit beginnen. Der Entwurf zeigt, wo man mit dem Börtchen anfangen muss (mit der Stickerei, keinesfalls mit dem Saum oder der Fransenkante). Würden die Außenkanten zuerst fertiggemacht, bleibe keinerlei Abänderungsmöglichkeit mehr und es könnte passieren, dass die Abstände ungleich würden und dann eben leider bleiben müssten. Stickt man dagegen zuerst, dann kann man jederzeit die Kanten noch etwas ausgleichen und erspart sich unnötigen Ärger. Wenn man nicht gerne mit Schnittkanten arbeitet, so kurbelt man die vier Seiten vor dem Sticken ein.

Man muss darauf achten, dass Anfang und Ende der Zierstichreihen spiegelbildlich gearbeiten sind.



Dasselbe gilt natürlich auch für das Börtchen. Es darf bei der Steickerei also nie so aussehen.



Eine Kleinigkeit, die kaum Mühe macht, nur ein wenig Überlegung erfordert und sich lohnt.

Hat die Borte, z. B. bei einer Tischdecke, einen großen Mustersatz (der Fachmann sagt "Rapport"),



so ist es am besten, wenn die Mitte des Bortenmustersatzes udn die Seitenmitte des Stoffes aufeinanderkommen.



Auf diese Weise ergibt sich die spiegelbildliche Gleichheit von selbst.

Vor Anfertigung einer größeren Decke misst man zuerst die Tischplatte genau aus, um den Stoffbedarf zu ermitteln.
Für das Überhängen berechnet man bei einem mittelgroßen Tisch 18 bis 20 cm. Für den Saum werden dann noch etwa 5 cm dazugerechnet, also insgesamt 23-25 cm Zugabe an einer Seite.

Angenommen, der tisch misst 80 x 110 cm, dann ist für die Länge zu berechnen:

Tischläge 110 cm
+ 2 mal 25 cm für Überhängen und Saum 50 cm
zusammen 160 cm

Die Deckenbreite wird genauso ausgerechnet.

An einem großen Stoffstück schneidet man die Webkanten etwa 1/2 cm breit weg, weil die Webkante nach dem Waschen meist ein bisschen einläuft.

Nun entwirft man!

Wenn man Borten arbeiten will, schneidet man sich am besten Papierstreifen in gewünschter Breite zu und verteilt dieselben auf der Decke. Dabei sollte man nicht allzuviel Arbeit auf den Überhang verwenden. Dort sieht man es nämlich kaum.



Hübsch wirkt es, wenn man die Deckenmitte in einer Richtung mit Streifen verziert. Die graue Fläche stellt die Tischplatte dar. Die Zierstich-Streifen müssen keineswegs bis zur Tischkante laufen.



Auch so kann es sehr gut aussehen! Zur besseren Veranschaulichung ist die Tischplatte wieder grau angedeutet.

Hier noch zwei weitere Vorschläge für quadratische Decken:



links. Diese quadratische Decke ist für einen runden Tisch gedacht.
rechts: Dagegen eignet sich diese Muster für einen quadratischen Tisch.

Übrigens noch ein Tipp: Es kommt auch vor, dass man eine Tischdecke "ohne Tisch" arbeiten muss, vielleicht als Geschenk, und man kann nur heimlich bei einem Kaffeebesuch Maß nehmen. Dann legt man einfach das vorbereitete Stoffstück auf eine große Tischplatte und zieht zunächst einmal die beiden Mittellinien mit einem Faden ein.



Nun misst man von den Mittellinien aus die Maße der Tischplatte ab und zieht auch hier wieder einen Heftfaden ein.

Dies waren lediglich Anregungen für fadengebundene Stickereien.

Viel leichter und einfacher ist es, wenn man kleine Stickereien frei auf die Decke "aufstreut".

Hier drei Beispiele, die jeweils beliebig auf einer Decke verteilt werden können.



Natürlich müssen auch die Streumuster gut und wirkungsvoll verteilt werden, das ist sehr einfach: Nehmen wir an, man will auf einer Decke Kringel mit dem reizvollen Knötchenstich sticken. Man bestimmt zunächst je nach Deckenmaß die Größe der Kringel, indem man dieselben probeweise mit dem Zirkel oder einfach mit einem Trinkglas oder einer Blechdose auf Papier aufzeichnet. Die Anzahl der Kringel spielt vorerst keine Rolle - lieber ein paar zu viel, als zu wenig> Man schneidet die Kringel sorgfältig aus und legt sie beliebig auf der Decke aus.



Ist man mit der Einteilung zufriden, so steckt man die Papierblättchen fest und umfährt sie mit einem sehr gut gespitztem Bleistift, ober bei dunklen Stoffen mit einem hellen Stoffmalstift.

Möchte man eine ganz freie Form, wie z.B. diesen kleinen Zweig, sticken, so legt man auch wieder mit kleinen Papierstückchen die Stellen fest, auf die die Zweiglein kommen sollen. Dann nimmt man seine Zeichnung und ein entsprechend große Stück Kohlepapier - Vorsicht, es schmiert leicht> - und zeichnet fein säuberlich die Blättchen genau auf.



All diese handwerklichen Kniffe und Anregungen beziehen sich nicht nur auf Tischdecken, sondern genauso auf Sofakissen, Kaffeewärmer, Kleider, Röcke, Schürzen und was man eben sonst noch handarbeiten möchte.

Zum Schluss noch etwas zu den Sticknadeln:

Man nimmt für alle fadengebundenen Stickereien stumpfe Sticknadeln, es arbeitet sich sehr gut und rasch damit. für frei über das Gewebe laufende Stickereien sind dagegen spitze Sticknadeln günstiger, weil hier ja der aufgezeichneten Linie gefolgt werden muss, wobei die Nadel sehr oft einen Faden zu durchstechen hat.