Flicken und Stopfen

Früher hat jedes Mädchen schon in der Schule gelernt, wie man näht und flickt, Socken stopft und Knöpfe annäht. Dabei scheint es sich um "vergessene Künste" zu handeln, denn in vielen Schulen  - zumindest bei uns in NRW - wird Handarbeiten nicht mehr oder nicht mehr sehr intensiv unterrichtet. Aber gerade in Zeiten, in denen es uns wirtschaftlich nicht so gut geht, können alte, längst vergessene "Flick- und Stopfkünste" vielleicht dabei helfen, denen einen oder anderen Euro zu sparen.

Aus diesem Grund findet ihr hier nun nach und nach die Flickanleitungen aus einem alten Buch - dem "praktischen Flickbuch" von A. Köster, das kurz nach dem 1. Weltkrieg entstanden ist.

Hier das Vorwort aus dem Buch:

"Der Anblick tadellos geflickter Wäsche, die im Sonnenschein an der Leine flatterte, soll einst einen der geistreichsten deutschen Fürsten, den "Alten Fritz", veranlasst haben, zu sagen, dass schön geflickte Wäsche eine schönere Augenweide sei als Brautwäsche, an der nicht das geringste Fehlerchen entdeckt werden könne. Wir wissen nicht, ob dieses Geschichtchen wahr ist, aber wenn es nicht wahr ist, ist es glücklich erdacht und kennzeichnet so recht den auch als König sparsamen Hohenzollernspross.

Doch tadellos geflickte Wäsche ist nicht nur eine schöne Augenweide, sie läßt auch für den verständigen Beschauer allerlei Schlüsse zu. So verrät sie mancherlei verschwiegene Hausfrauentugenden, auf die jede Frau stolz sein kann. Wir nehmen vor allem eine liebevolle Sparsamkeit, ein Hegen und Pflegen eines Kleidungs- oder Wäschestückes, das durch öfteres Tragen uns beinahe unentbehrlich geworden ist. Schön geflickte Wäsche verrät eine fleißige, kundige, geduldige Frauenhand, die es versteht, Schäden zu heilen, Altes wieder zu Ehren zu bringen und Werte im Haushalte zu erhalten.

Das Flicken ist aber eine Kunst, die gelernt sein will, ihre besonderen Gesetze hat und einer gewissen Übung bedarf.

Aus diesem Grund und weil der große Krieg uns Frauen in jeder Beziehung dazu erzogen hat, zu sparen, die Vorräte zu strecken und Vorhandenes zu erhalten, wurde dieses kleine Buch geschrieben, aus dem wohl jede Frau, auch wenn sie bereits flicken kann, noch manches wird entnehmen können.

Es wird gezeigt, wie man Wäsche ausbessert und Kleider von Schäden heilt, wie man kunstgerecht und sauber Strümpfe stopft und in die Hosen unserer wilden Jungen Flicken einsetzt. Wir haben jedes besondere Flickgebiet gestreift und mit vielen Abbildungen versehen.

Wir schließen unsere Einleitung mit einem freundlichen Rat. Man flickt nicht erst dann, wenn das Loch sehr groß ist, sondern stopfe und wible beizeiten. Dies gilt für Wäsche, für Strümpfe und auch für Kleider. Ein kleiner Schaden ist schneller ausgebessert und weniger sichtbar als ein großer Flicken. Eine Hausfrau, die nach jedem Wäschetag einen halben oder ganzen Tag opfert, um die Wäsche nachzusehen, wird viel längere Zeit mit ihrer Wäsche auskommen, als jene, die achtlos kleine Schäden übersieht und große nicht der Mühe wert hält, zu beseitigen."