Das Weben

Wir wickeln, wie wir es gelernt haben (Abschnitt III), die verschiedenfarbigen Garne auf die Webnadeln, jedoch nicht zuviel auf eine Nadel, da sie sonst in der Kette hängen bleibt.

Nun wiederholen sich folgende Arbeitsvorgänge:

1. Wir heben den Kamm und setzen ihn in die Abstufung der Kammstütze, so dass ein Fach entsteht (Oberfach).

2. Wir geben die Webnadel mit lose hängendem Schussfaden durch.

3. Wir legen die Nadel ab.

4. Wir legen mit der einen Hand den Schussfaden in flache Bögen (Abb. 41 c) und ziehen das Überflüssige mit der anderen Hand nach.

5. Wir wechseln das Fach, indem wir den Kamm von der Stütze herunternehmen und senken (Unterfach).

6. Wir schlagen den Faden mit dem Kamm oder der eingeschobenen Webnadel an.

7. Wir beginnen wieder bei 2.



Abb. 41. Schussfaden darf nicht in unregelmäßigen Bögen (c) und auch nicht straff (b) durchgegeben werden, sondern in flachen Bögen gleichen Größe (a).

Um ein gleichmäßiges, schönes Gewebe mit glatten Rändern zu erhalten, müssen wir den Schussfaden in einem gleichmäßig weiten Bogen, den man dann in mehrere kleine Bögen aufteilt (Abb. 41a), wobei die andere Hand durch leichtes nachziehen ausgleicht, einlegen. Die Bögen müssen um so höher gemacht werden, je stärker das Kettmaterial ist. Der schussfaden läuft ja nicht in einer geraden, sondern in einer welligen Linie durch die Kette. Er würde die Ränder auf beiden Seiten einziehen, wenn man ihn zu stramm hindurchgibt (Abb. 41b). Durch dauerndes Einweben wird die Arbeit immer schmaler und schließlich ist das Anschlagen mit dem Kamme nicht mehr möglich. Ein zu lockeres Einlegen des Fadens ist auch zu vermeiden, weil sonst Schlaufen im Gewebe stehen bleiben (Abb. 41c). Ein dauerndes Abwechseln zwischen dem strammen Anziehen und dem Stehenlassen von Schlaufen wirkt sich sehr ungünstig auf die Webränder aus (Abb. 42).



Abb. 42. Guter - schlechter Rand

Aber nach einiger Übung wird man das richtige Einlegen des Schussfadens schon erlernen. Eine Hilfe für den, der trotz vieler Mühe immer wieder einwebt, ist der Breithalter. Er besteht aus zwei verstellbaren Leisten, die man nach der Breite des Gewebes einstellen kann. Er hat an seinen beiden Enden Spitzen, die in die Ränder des Gewebes eingesteckt werden und es auseinander spannen.

Die ersten 10 bis 15 Durchschüsse führen wir mit einem beliebigen, aber dünnen Faden aus. Das ist der Anschlag. Durch ihn ordnen sich erst einmal die Kettfäden, so dass das Gewebe dann gleichmäßig dicht wird. Beim Verarbeiten des fertigen Stoffes kann der Anschlag gleich als Umschlag oder als Nahtzugabe verwendet werden. Will man Fransen stehen lassen, muss man ihn allerdings wieder auf trennen, oder man steckt einen breiten Pappstreifen in das erste Fach und erzielt so die Länge für die Fransen. Je zwei und zwei Kettfäden werden zusammengeknotet und ergeben die Fransen.

Der Anschlag mit dem Kamm muss leicht und gleichmäßig sein. Besonders bei allen Leinenbindungen muss darauf geachtet werden, weil ja die Kette im gleichen Maße wie der Schuss im Gesamtbild des Gewebes mitwirken muss. Bei einer sehr empfindlichen Kette, die leicht aufraut, schlägt man besser nicht mit dem Kamm, sondern nur mit der Nadel an.

Lockern sich jetzt bei der Arbeit einige Kettfäden, so werden sie dicht am Kettbaum um kleine Papierstücke gelegt (Abb. 40c), die man zwischen Kette und Kettbaum festklemmt. Reißt ein Kettfaden, so wird er dicht am Kettbaum abgeschnitten, ein neuer wird an ihn angeknotet, durch die entstandene Lücke im Kamm gefädelt, an der betreffenden Stelle über die fertige Ware gezogen und am Warenbaum festgemacht.

Anfang und Ende der Schussfäden zieht man bis zum vierten oder fünften Kettfaden ein und läßt das Ende nach unten durchhängen. Ein Hängenlassen am Rande würde uns nachträglich zuviel Nacharbeit machen und das glatte Aussehen des Randes beeinträchtigen. Die enden werden nach Fertigstellung der Arbeit abgeschnitten.

Beim Fortschreiten der Arbeit verstellen wir die Kammstütze nach hinten. Sind wir mit dem Weben bald am Kettbaum angelangt, lösen wir die Flügelmuttern am Kett- und Warenbaum, drehen langsam den Warenbaum und rollen das Gewebe auf ihn auf. Wenn die richtige Spannung wieder hergestellt ist, werden die Flügelmuttern wieder fest angezogen. Zwischen zwei verschiedenen Arbeiten auf einer Kette weben wir wieder ein Stück glatten Anschlag oder schieben eine Webnadel oder ein Lineal hinter den letzten Schussfaden des fertigen Stückes, um einen genügend großen Abstand zu bekommen und den ersten Schussfäden Halt zu geben.

Der fertiggewebte Stoff wird auf Webfehler durchgesehen, die mit einer Stopfnadel und passendem Faden ausgebessert werden. Der Stoff wird vom Rahmen genommen, mit einem feuchten Lappen bedeckt und mehrere Male von links und rechts gebügelt. Verzogene oder eingewebte Stoffe werden mit Heftzwecken auf ein Brett aufgespannt und leicht angefeuchtet. Sie müssen so aufgespannt trocknen und werden dann auch gebügelt.

Beim Zuschneiden selbstgewebter Stoffe wird der Schnitt mit Kreide auf den Stoff übertragen. Ehe man zuschneidet, wird die Schnittlinie mehrere Male mit Maschine durchgesteppt und so befestigt.