Das Einstricken neuer Fersen

Die bei einem Strumpfe am schnellsten schadhaften Stellen sind die Ferse und die Strumpfspitze. Ist ein Strumpf an diesen beiden Stellen schon wiederholt gestopft und so fadenscheinig geworden, dass er nicht mehr ausgebessert werden kann, so müssen neue Teil ein- oder angestrickt werden.

Eine schadhafte Strumpfspitze wird einfach abgeschnitten, die Fäden werden ausgezupft, die Maschen aufgenommen, worauf die Spitze einfach wieder angestrickt wird.

Etwas schwieriger gestaltet sich das Einstricken einer Ferse. Zunächst wird die schadhafte Ferse herausgetrennt. Dies geschieht, indem man die beiderseiten Randmaschen des Fernsenteils durchschneidet. Sodann legt man die Maschen des Fersenanfangs und des Fersenschluss bloß, zupft behutsam die Fäden der seitlichen Randmaschen aus und fasst sämtliche Maschen auf vier Nadeln.

Diese Maschen werden auf folgende Weise verteilt: auf die untere wagerechte Nadel 1 kommen die Maschen der Ferse, auf die Nadeln rechts und links, 2 und 3, die Seitenmaschen der Ferse. Auf die obere wagerechte Nadel 4 kommen die Maschen des sogenannten Käppchens.



Das Klarlegen der Maschen für das Einstricken einer neuer Ferse

Es empfiehlt sich, die Maschenzahl der Ferse und des Käppchens im alten Strumpfe festzustellen, damit die neue Ferse genau in den gleichen Maschenverhältnissen wieder angestrickt wird, wie die alte war.

Nun arbeitet man in hin- und zurückgehenden Reihen den ersten geraden Teil der Ferse und strickt stets die letzte Masche des Fersenteils mit je einer der Seitenmaschen zusammen. Sind alle Seitenmaschen abgestrickt, so ist die Fersenhöhe erreicht, und man strickt darauf in üblicher Weise das Käppchen. Ist kein Fehler gemacht worden, so entspricht die Maschenzahl des fertigen Käppchens der Maschenzahl der Nadel 4. Diese beiden Maschenreihen, die sich jede auf einer Stricknadel befinden, werden mit Hilfe einer Stopfnadel und dem Endfaden der soeben beendigten Strickerei zusammengemacht.



Das Anmaschen einer eingestrickten Ferse an den Strumpf

Man arbeitet von rechts nach links auf folgende Weise: Zuerst sticht die Stopfnadel in die erste Masche der Nadel 4 und durch die zweite Masche heraus. Dann Sticht sie in die erste Masche des fertigen Käppchens hinein und durch die zweite heraus. Dann sticht die Stopfnadel in die zweite Masche des Käppchens hinein und durch die dritte heraus, dann in die zweite Masche des Käppchens hinein und durch die dritte heraus. Jedesmall wenn man zum zweitenmal eine Masche gefasst hat, wird sie von der Stricknadel fallen gelassen. Man arbeitet so fort, bis sämtliche Maschen zusammengemascht sind. Ist man soweit, so ist das Loch geschlossen, und die Maschenreihen folgen sich ohne Unterbrechung.

Die Ferse ist tadellos eingestrickt und, wenn genau das gleiche Garn genommen wurde, von einer Ferse in einem neuen Strumpfe nicht zu unterscheiden. Es ist empfehlenswert, zuletzt noch das Stopfholz zur Hand zu nehmen und fadenscheinige Stellen oberhalb oder unterhalb der eingestrickten Ferse mit dem Maschenstiche zu übernähen.



Fertige Socke mit angestrickter Strumpfspitze und eingestrickter Ferse.

Schwieriger ist das Einstricken einer Ferse, wenn der Strumpf über die Ferse hinaus schadhaft ist, so dass ein Teil der Sohle mit eingestrickt werden muss. Doch ist auch für diesen Schaden eine kunstgerechte Ausbesserung möglich.

Wir beginnen die Arbeit genau wie bei dem zuerst erklärten Ferseneinstricken. Wir trennen die Ferse heraus und nehmen auf die Nadel 1 (genau wie bei der 1. Abbildung oben) die Maschen des Fersenanfanges, dann auf die Nadeln 2 und 3 die Seitenmaschen der Ferse, soweit sie noch in tadellosem Zustande sind. Bei der folgenden Abbildung sehen wir, dass die obersten drei oder vier Seitenmaschen, weil schadhaft, nicht mitgefasst werden konnten.



Der anzustrickende Sohlenteil


Auf die Nadel 4 kommen die aufgetrennten Maschen des Sohlenteils, und zwar etwa 12 Reihen über das Käppchen hinaus und auf jeder Seite 5 Maschen mehr als die Breite des Käppchens. Dies wird am besten auf dem folgenden Bild veranschaulicht, bei der die Arbeit beinahe fertig ist. Man achte darauf, dass links und rechts vom sogenannten Nähtchen genau so viel Maschen auf der vierten Nadel sind.



Das Annähen der Sohlenteile.

Wir stricken jetzt wie bei der vorher erklärten Arbeit die Ferse in hin- und hergehenden Reihen, immer am Ende der Nadel die letzte Masche mit einer Seitenmasche abstrickend. Sind alle Seitenmaschen der Nadeln 2 und 3 abgestrickt, so strickt man die Ferse weiter wie bei einem neuen Strumpfe, bis die notwendige Länge erreicht ist. Man muss sich vergegenwärtigen, dass die obersten Seitenmaschen zerrissen waren, nicht auf die Nadeln 2 und 3 gefasst werden konnten, die Ferse aber trotzdem die normale Höhe erreichen muss. Dann strickt man wieder in bekannter Art das Käppchen und nimmt hierauf die Seitenmaschen der Ferse, die nicht mit Seitenmaschen eingestrickt werden konnten, auf die Nadel. Siehe Abbildung (Der anzustrickende Sohlenteil), die die fertiggestrickte Ferse zeigt, die seitlich aufgenommenen Maschenschlingen, die auf zwei Nadeln aufgenommenen Maschen des alten Sohlenteils und zwischen je zwei und zwei Nadeln den zerrissenen Sohlenteil, der noch voll ausgestrickt werden muss. Nun werden wieder hin- und hergehende Reihen gestrickt, bis die Arbeit an die Maschen des alten Sohlenteils reicht. Es empfiehlt sich, die Maschenreihen des Strumpfes zu zählen, damit man genau die gleiche Zahl Reihen strickt.

Wiederum werden die Maschen der beendigten Strickarbeit mit den Maschen des Sohlenteils, nachdem die Maschenzahl verglichen wurde, nach  Abbildung oben (Das Anmaschen einer eingestrickten Ferse an den Strumpf) zusammengemascht.

Oberhalb der Ferse am Sohlenteil müssen die Randmaschen des neugestrickten Sohlenteils sorgfältig mit Stopfgarn auf den Strumpf genäht werden. Dies geschieht mit Vorderstichen, die sich im Strickgewebe verlieren sollen. Siehe Abbildung oben (Das Annähen der Sohlenteile).

Sind beide Seiten aufgenäht, so wird der Strumpf gewendet. Die Fäden des zerissenen Sohlenteils werden gelöst, und dann wird jeder Faden für sich sorgältig vernäht, und zwar so, dass diese eingenähten Fäden nicht auftragen.



Das Vernähen der Fäden auf der Rückseite

Es kommt auch vor, dass ein Strumpf unterhalb der Ferse schadhaft ist. Die Arbeit ist nach dem bereits Beschriebenen leicht verständlich. Wir geben auch hier zwei Abbildungen, umd die Arbeit recht anschaulich zu machen.



Die vorbereitete Arbeit, wenn der Schaden unterhalb der Ferse beginnt.

Die Abbildung oben zeigt uns die Maschen wieder auf vier Nadeln verteilt. Der Unterschied zwischen dieser neuen Abbildung und der ersten Abbildung (ganz oben) besteht darin, dass zwischen der Nadel 1 und der Nadel 2 und 3 eine schadhafte Stelle besteht, die weil unterhalb der Ferse, nicht mit den Seitenmaschen auf die Nadeln 2 und 3 gefasst werden kann.

Wir beginnen mit dem Stricken hin- und hergehender Reihen, bis wir zur Höhe der eigentlichen Ferse kommen. In unserem Fall war der Beinling in Streifenmuster 2 r., 2 l. gestrickt, deshalb muss dieses Stück vor dem Fersenanfang auch mit 2 r., 2 l. Maschen gestrickt werden. Ist die Ferse erreicht, so stricken wir weiter und halten uns genau an die Beschreibung der ersten beiden Abbildungen oben, bis wir auch hier mit dem Anmaschen die Ferse fertig angestrickt haben. Nun werden die Seitenmaschen unterhalb der Ferse wieder wie bei der Abbildung oben (Das Annähen der Sohlenteile) mit unsichtbaren Stichen angenäht, hierauf der Strumpf gewendet und auf der Rückseite auch hier die Fäden genau wie bei darauf folgenden Abbildung (Das Vernähen der Fäden auf der Rückseite) vernäht.

Die nächste Abbildung zeigt die fertig eingestrickte Ferse.



Die fertig eingestrickte Ferse mit einem Teil der Beinlänge.

Nach unseren Erläuterungen ist ersichtlich, dass jeder Schaden in einem handgestrickten oder maschinengestrickten Strumpfe beseitig werden kann. Die Gräöße des Schadens in der Ferse bestimmt, ob man die Ferse allein oder mit Sohlenteil, das beliebig verlängert und verbreitert werden kann, oder mit dem Teil unterhalb der Ferse einstricken soll.

Bei gewirkten, dünnen Strümpfen sind solche Arbeiten nicht möglich. Man stopft gewirkte Strümpfe entweder mit der Leinenstopfe oder nach



(siehe Anleitung "Die Strickstopfe")

Sind die Strümpfe zu schadhaft geworden, so bleibt nichts übrig, als Füßlinge zu kaufen und selbst anzunähen oder Füßlinge an die alten Beinlinge anstricken oder anwirken zu lassen, was auch ganz sauber aussieht.

Damit die Fersen und Strumpfspitzen länger halten, nähen sparsame Frauen mit Stopfgarn Vorderstiche zwischen jede senkrechte Maschenreihe. Diese Geduldsarbeit, die bei neuen Strümpfen ausgeführt wird, lohnt sich reichlich, da die Strümpfe in der Tat viel länger halten.