Das Aufbringen der Kette

Jetzt legen wir den Kamm vor uns auf die Tischkante und zwar so, dass er mit der unteren Leiste und einem Drittel der Schlitze übersteht. Den Peitschenstock nehmen wir aus der Rille im Kettbaum heraus und legen ihn auf dem Kamm bereit. Jetzt hängen wir die Kette mit der abgebundenen Schlinge so über den Daumen der linken Hand, dass die Längen der Kette links und rechts an der Hand herabhängen und das Fadenkreuz zwischen Daumen und den anderen Fingern liegt.



Abb. 38. Einzug der Kette in den Kamm

Wir ziehen mit einem großen Häkelhaken die Fadenschlingen durch die Schlitze des Kammes, ganz genau in der Reihenfolge, wie sie im Fadenkreuz liegen und schieben sie auf den Peitschenstock auf. Wir fangen auf der linken Seite an und gehen langsam mit der Hand nach rechts hinüber. Von Zeit zu Zeit müssen wir den Faden, der um das Fadenkreuz geschlungen ist, lösen und weiter binden. Wollen wir eine Arbeit weben, die schmaler als der Webrahmen ist, lassen wir gleichmäßig viel Schlitze auf beiden Seiten frei. Wenn alle Fadenschlingen durch den Kamm gezogen und auf den Peitschenstock geschoben sind, klemmen wir diesen in die Rille im Kettbaum ein und binden ihn an mehreren Stellen mit Bindfäden fest.

Das gleichmäßige Aufwickeln der Kette, bei dem man wieder recht genau arbeiten muss, nennt man das Aufbäumen der Kette. Schmale, kurze Ketten kann man allein aufbäumen. Man befestigt den Kamm mit zwei Klammern an der Kammstütze und löst dann die Flügelschrauben am Kettbaum. Während die eine Hand den Kettbaum langsam dreht, hält die andere Hand die Kette in gleichmäßiger Spannung fest. Wenn wir allerdings eine breite, lange Kette aufbäumen wollen, müssen wir noch einen Helfer haben, der dann den Kettbaum langsam dreht, während wir die Kette durch beide Hände streichen lassen und sie dadurch in gleichmäßiger Spannung halten.



Abb. 39. Aufbäumen der Kette

Eine gut aufgebäumte Kette liegt gleichmäßig verteilt auf dem Kettbaum auf (Abb. 40b). Schlecht aufgewickelte Ketten bilden nebeneinander liegende Wülste (Abb. 40a). Sie lassen sich nur sehr ungleichmäßig abwickeln, so dass kein schönes Gewebe entstehen kann. Das gleichmäßige Aufbäumen erreicht man dadurch, dass man die Kette anfangs breiter und erst allmählich schmaler aufwickelt. Auf diese Weise verhindert man das Abrutschen der Fäden an den Rändern. Wenn sich später beim Weben doch noch einzelne Fäden lockern, können sie mit Papierstreifen nachgespannt werden (Abb. 40 c):



Abb. 40
a) Schlecht aufgebäumte Kette. Ansicht von unten
b) Gut aufgebäumte Kette. Ansicht von unten
c) Einzelne lockere Kettfäden wurden durch Papierstückchen nachgespannt. Ansicht von unten.

Ist die Kette so weit aufgebracht, dass das Ende fast den Warenbaum erreicht hat, stellen wir den Kettbaum fest, indem wir die Flügelmuttern wieder anziehen. Dann schneiden wir die Kettfäden unten auf. Bisher liegen je zwei Kettfäden in einem Schlitz des Kammes. Einen davon ziehen wir zurück und fädeln ihn mit der Häkelnadel durch das daneben liegende Loch. Die Fäden legen wir der Reihe nach in die Einschnitte des Warenbaumes und verknoten je zwei miteinander. Durch Abtasten der Kette mit der Hand prüfen wir von Zeit zu Zeit, ob alle Fäden gleichmäßig gespannt sind. Lose Fäden spannen wir nach.

Die Klammern, die den Kamm an den Kammstützen festhielten, werden entfernt. Das Weben kann beginnen.

Wer noch etwas ungeübt ist, sollte es zuerst einmal mit einer kurzen, vielleicht 1-2 m langen, Kette versuchen. Hier ist die Gefahr, dass sich die einzelnen Fäden verfilzen, nicht so groß, weil die Fäden so lang sind. So können wir uns die Arbeit wesentlich vereinfachen und erleichtern. Zwei Stühle werden im richtigen Abstand voneinander (also 1 oder 2 m z. B.) entfernt aufgestellt. Der Fadenanfang wird an dem einen Stuhl befestigt; dann wickelt man die Anzahl der gebrauchten Kettfäden auf die Stühle ab. Dort, wo der Fadenanfang am Stuhl befestigt ist, endet man auch und schneidet hier alle Fäden durch. Dann hängt man alle Fäden sorgfältig auf den Fensterriegel oder die Türklinke auf. Der Kamm wird wieder so auf die Tischkante gelegt, dass er etwas übersteht, der Peitschenstock wird zurecht gelegt und nun beginnen wir von rechts die zur Hälfte gelegten Fäden mit einer Häkelnadel durch die Schlitze einzuziehen und über den Peitschenstock zu streifen. Die folgenden Arbeiten sind die gleichen wie beim Aufbringen von langen Ketten.