Bandweben auf dem Brettchen

Ein altes Webgerät ist das Webebrettchen, auch Webekamm oder Webegatter genannt.



Abb. 44. Bandweben mit Webebrettchen



Abb. 43. Webebrettchen

Es ist ein ungefähr 20 x 30 cm großes Holzbrettchen mit Löchern und Schlitzen zum einziehen der Kettfäden. Dieses Webebrettchen sollte jeder besitzen, auch als Ergänzung zum Weberahmen. Oftmals gebraucht man zu einer Arbeit passend ein Band oder einen schmalen Zwischenfass; beides kann man dann mit dem Webebrettchen dazuweben. Webebrettchen kann man kaufen. Man kann es sich aber auch selbst aus zwei Nutleisten und schmalen Leisten herstellen, so wie der Webekamm (vgl. Abschnitt III) gebaut worden ist, nur schmaler und höher. Früher war das Webebrettchen nicht so sachlich-nüchtern, wie es heute hergestellt wird, sondern es wurde mit bunten Verzierungen, auch wohl mit dem Namenszug des Besitzers, ausgeschmückt. Wäre es nicht schön, wenn wir dieses Brauchtum fortsetzten?

Zuerst zeichnen wir die Umrisse des Webebrettchens auf das dafür bestimmte Holzbrett in den richtigen Maßen auf. Die Holzmaserung muss in Längsrichtung der Schlitze verlaufen. Unten bleibt ein 10 cm breiter Rand stehen. Er muss breiter sein als der obere, damit das Brettchen unten schwerer ist und senkrecht in der Kette hängt. Die Schlitze, die wir nun aufzeichnen, sind 12 cm lang. Die Stege zwischen je zwei Schlitzen sind 4 mm breit. Genau auf ihrer Mitte zeichnen wir die Löcher an. bis zur oberen Kante bleibt noch ein 8 cm breiter Rand für die Verzierung. Blätter und Blumen, so wie wir sie von alten Bauernmöbeln kennen, können wir zu einer schönen Schmuckkante zusammenstellen. Den Entwurf hierfür zeichnen wir zunächst auf Papier und übertragen das Muster auf das Holz. Als nächstes werden die Löcher durch die Stege gebohrt. Sie dürfen nicht zu klein sein, damit auch ein starker Faden durchgezogen werden kann. Mit einer feinen Rundfeile werden die Löcher ausgefeilt und mit einer gewachsten Schnur geglättet. Dann bohren wir an einem Ende der für die Schlitze vor gezeichneten Striche Löcher, ziehen das Laubsägeblatt ein, spannen dieses in dem Laubsägebogen fest und sägen genau auf dem Strich entlang. Die Schlitze werden mit Sandpapier erweitert und geglättet, so dass man einen oder mehrere, auch starke Fäden hindurchziehen kann. Das Muster am oberen Rande, das wir nun aussägen, darf natürlich nicht zu spinnwebenfein sein. Der Kamm ist ein Gebrauchsgegenstand und muss schon einen Stoß vertragen können. Alle Kanten und Flächen werden nun mit Feile oder Sandpapier sehr glatt gearbeitet. Das Muster wird mit Wasser- oder Deckfarben bunt gemalt. Damit die Farben nicht zusammenlaufen und gut decken, überziehen wir die Fläche vor dem Malen mit dünnem Kleisterwasser, das dann gut eintrocknen muss. Zuletzt wird das Brett mit Wachs eingerieben und mit einem Wolllappen oder einer Bürste blank gemacht.

Das Weben selbst ist nun für alle Webebrettchen, ob sie gekauft oder selbstgemacht wurden, wieder gleich. Die Kettfäden werden auf die vorgesehenen Länge geschnitten und abwechselnd in Schlitz oder Loch eingezogen. Alle Kettfäden werden an einem Ende zusammengeknotet und an einem Wandhaken, an der Türklinke oder an einer Schraubzwinge am Tisch befestigt. Das andere Ende nimmt man in die Hand und ordnet durch langsames Hin- und Herschieben des Brettchens die Fäden, die man dann auch wieder zusammenknotet und mit einer Sicherheitsnadel am Gürtel befestigt. Durch Vor- oder Zurücklegen des Körpers kann die Spannung der Kette geregelt werden. Mit einer Hand wird das Webebrettchen gehoben, die andere schiebt die Webenadel mit dem aufgewickelten Schussfaden durch (Abb. 44). Das Webebrettchen wird gesenkt, die Nadel wird eingeschoben, der vorher eingelegte Faden wird mit der Nadel angehoben, dann erst wird die Nadel durchgeschoben und Brettchen wieder gehoben; so geht es weiter.

Der Schuss zieht die Kette eng zusammen, so dass von ihm nichts zu sehen ist. Darum muss die Kette aus schönen Farben zusammengestellt sein, denn durch sie wird das Muster des Bandes erzielt. Der Schuss besteht aus einem dünnen Faden. Das Gewebe ist Schussrips (Abschnitt V). Abwechselnd eingezogene Fäden in zwei verschiedenen Farben ergeben ein Querstreifenmuster, wie es das auf der Abbildung 45 dargestellt Band zeigt.



Abb. 45. Mit dem Brettchen gewebte Bänder

Das Band daneben ist längsgestreift. Um dieses Muster zu erzielen, werden zwei oder mehrere Fäden der gleichen Farbe nebeneinander eingezogen. Wie man beide Einzüge vereinen kann, zeigt das dritte Band. Viele andere Mustermöglichkeiten lassen sich durch verschiedenes Zusammenstellen dieser Grundmuster erzielen.

Man muss sich natürlich zu Anfang erst ein arbeiten, bis man ein glattes, gleichmäßig breites Band zustande bringt. Die Spannung der Kette muss unverändert bleiben, sonst gibt es Unregelmäßigkeiten im Gewebe und in der Breite des Bandes. Hat man schon so viel gewebt, dass das Weiterweben unbequem wird, zieht man das fertige Band durch den Gürtel und befestigt es dann wieder.

Beim Aussuchen des Materials muss man an die spätere Verwendung der Bänder denken. Bänder, z.B. Schibänder und Gürtel, die viel aushalten müssen, webt man aus einer harten, dicken Wolle, aus Bast oder farbigem Bindfaden. Tragbänder, Henkel und Zwischenstücke für Taschen, Buchhüllen und andere Webarbeiten stellt man natürlich aus dem verwandten Material her. Für Besätze, Schlipse und Borten für Kleider und Kittel webt man weiche Bänder aus feiner Wolle, Baumwolle, Seide oder Kunstseide. Die Enden dieser Bänder werden mit einem in der Farbe passendem Nahtband, das man mit kleinen Stichen, am besten mit der Maschine, aufnäht, einschlägt und festsäumt, versäubert. Mehrere schmale Bänder können mit kleinen Stichen durch die an der Kante sichtbaren Schussfäden zu breiten Bändern zusammengenäht werden.

Schnallen zu Gürteln kann man aus schönem Holz aussägen, oder man bewickelt eine einfache Schnalle mit demselben Material, aus dem der Gürtel gewebt ist.