Die Knüpfarbeit

Die Knüpfarbeit zählt zu den ältesten Handarbeitstechniken. Wenn es auch nicht erwiesen ist, so nimmt man doch an, dass der Knüpfknoten die erste Errungenschaft der Menschenhand auf dem Gebiet der kunsttechnischen Handarbeiten gewesen ist. Beweise für diese Annahme geben uns die spärlichen schriftlichen Überlieferungen und die organischen Überreste aus den ältesten Zeiten. Wir wissen, dass alle Urvölker aus Tierfellen und Pflanzenfasern gewonnene Streifen zu Gewirken verknüpft haben, z.B. für Schurzgürtel, Kopfputz, Jagdtaschen, Fischernetze und dergleichen mehr.

In den späteren Kulturepochen wurde die Arbeit künstlerisch veredelt, und die Technik dient zum Schmuck der Gewänder und zur Verzierung von kulturellen und Gebrauchsgegenständen. Fein künstlerische Knüpfarbeiten sind aus der Renaissance- und Rokokozeit erhalten. Diese Arbeiten wurden meistensteils in der von den Orientalen gepflegten Technik des "Rippenknotens" hergestellt. Somit erklärt sich auch der arabische Name "Makramee", der Franse, Tuch oder Serviette bedeuten soll.

Auch in unserer Zeit findet die Knüpfarbeit lebhaftes Interesse, und von kunstfertigen Händen werdne fortwährend neue Muster und Knotenbildungen geschaffen.

Um es Anfängern zu ermöglichen, die Knüpfarbeit in ihrer einfachen und komplizierten Ausführung gründlich zu erlernen, haben wir die bildlichen Darstellungen in zwei Gruppen geteilt.

Die erste Gruppe erklärt die Knüpfarbeit der einfachen Knotenbildungen, die fast durchweg flach wirken, und diese Gruppe bezeichnen wir mit dem Namen "Knüpf-Flechtarbeit". In der zweiten Gruppe wird die kompliziertere Knüpfarbeit mit Rippenknoten, die "Makrameeknüpfarbeit in Verbindung mit Posamentenknüpfarbeiten behandelt.

Das Werkzeug für die Knüpfarbeit bilden: ein schweres Kissen, das einen sicheren Halt für die Arbeit gewährt, eine gewöhnliche Häkelnadel, Schere, Metermaß und kräftige Stahlstecknadeln mit kleinen und größeren Köpfen. Als Knüpfkissen empfiehlt sich eine schmale, etwa 12 bis 15 cm breite, beliebig lange Kissenform. Die Grundlage kann ein Brett bilden, in das eine Bleiplatte eingelassen wird.Über dem Brett baut sich das fest gepolsterte Kissen mit glatter (grüner oder brauner) Tuchbekleidung auf. Auf beiden Seiten am Ansatz des Aufbaues sind an den Enden, wie an Abb. 1 ersichtlich ist, starke Kopfnadeln eingeschoben, die zur Befestigung der quer zu spannenden Anfangs- und Abteilungsfäden dienen.




Gebräuchliches Knüpfkissen zum Anschrauben an eine Tischplatte. Neben dieser einfachen Konstruktion werden Knüpfkissen in verschiedenen Formen und Konstruktionen im Handel vertrieben.

Als Material eignet sich: glatt und fest gedrehter Faden jeder Gattung von Faden und Schnurgespinsten. Man kann mit Bindfaden (Spagat), dicker Kordelschnur, sowie mit feinstem Seiden-, Garn-, Metallfaden und Schnürchen knüpfen. Am leichtesten knüpft es sich mit Leinenfäden, Kordonner-Knopflochseide, Seiden-, Baumwoll- und Metallschnur. Neuerdings wird Perlgarn in allen Stärken als Ersatz für Seide benutzt. Man knüpft Fransen und Borten häusig aus anderem Material als dem des Gegenstandes, der verziert werden soll. Jedoch werden Decken, Servietten, Handtücher und dergleich mehr mit einer Franse abgeschlossen, die man gleich aus den Stofffäden knüpft. Um das mühsame Ausziehen der Gewebefäden zu sparen, benutzt man käuflichen Fransenstoff, d.i. ein Gewebe mit schmalem festen Stoffrande und losen Fransenfäden. Dadurch kann man leicht auch mit mehreren Stofflagen eine zum Knüpfen geeignete verstärkte Fadenmasse herstellen.

 



Fransenstoff (Javagewebe) - einfache Stofflage


Die Abbildung zeigt einen gewebten Abschlussstreifen, dessen lose Fäden gleich zu einer dünnen Franse verknüpft werden können, während man den Kopf beliebig mit Stickerei verziert oder, glatt gelassen, dem Gegenstand aufsetzt und als Saum unter den Rand des Gegenstandes befestigt. Auf Bestellung wird Fransenstoff in beliebiger Breite und Fadenlänge hergestellt. Es wird auch Fransenstoff mit festem Mittelstreifen gewebt, den man, um eine doppelte Fadenlage zu erzielen, in seiner Mitte einfach zusammenbricht, siehe Abb. 2. Soll eine dritte Fadenlage hinzukommen, so muss der Stoffrand eine Webekante haben oder am Rande leicht umgenäht werden, damit sich die Fäden beim Knüpfen nicht ausziehen können.
Auf jeden Fall sind die Stofflagen durch seine dichte, nicht zu kurze Langettenstiche, wie es die folgende Abbildung zeigt, fest miteinander zu verbinden.



Fransenstoff (Leinengewebe) Dreifache Stofflage


Auf diese Weise fügt sich leicht eine doppelte Fadenlage unter den Rand einer Leinendecke, sodass man die Franse gleich anarbeiten. Ansehnlich wird eine einzeln geknüpfte Franse zwischen zwei Saumteilen eingeschoben.

Vom Material wird das Maß der Fadenlänge bedingt. Starkes und hartes Material verbraucht für den gleichen Knoten ungleich mehr, als der Knoten in weichem feinen Faden verlangt. Es ist daher ratsam, vor Beginn einer Arbeit eine Knüpfprobe vorzunehmen und nach dieser die Fadenlänge zu bemessen.

Aus der Praxis nimmt man an, dass zum Einknüpfen 2/3 Fadenlänge und dazu 1/5 zugegeben werden müssen. Auch betreffs der Dicke der Fransträhne und der Zahl ihrer fäden kann erst die Probe entscheiden, wonach man die Länge der Anlage für Strähne bestimmt.